Verblendung

Das sogenannte Höhlengleichnis wird dem griechischen Philosophen Platon zugeschrieben. Platon hat darin schon die Verblendung der heutigen Gesellschaft durch Informationen aus zweiter Hand voraus gesehen. Der Mensch ist manipulierbar. Das zeigt sich gerade in der Verbreitung von Hetze und Fehlinformationen, die zum Zwecke der Erzeugung einer fremdenfeindlichen Stimmung gezielt gestreut werden.Doch vorerst einmal zum Höhlengleichnis.

Eines Tages saßen gefesselte Menschen in einer dunklen Höhle. Dort brannte ein kleines Feuer. Hinter den Gefesselten wurden Gegenstände vorbeigetragen. Ihre Schatten erkannten die Gefesselten auf der Höhlenwand. Sie dachten, das was sie an der Wand sehen, entspräche der Wirklichkeit. Ihre Welt bestand aus Schattenbildern.

Plötzlich gab es einen großen Knall und mitten zwischen die Gefesselten landete ein Mann, der von draußen in die Höhle hineingerutscht war. „Glaukon!“, rief eine Frau erstaunt, „Was willst du denn hier? Du hast uns doch vor langer Zeit verlassen und nun kommst du zurück?“ Glaukon wischte sich den Staub aus den Augen. „Ich bin gekommen, um euch zu holen Mutter.“ Er blickte sich um. Alle waren noch immer gefesselt und bewunderten die Schattenbilder.

„Wir wollen hier bleiben!“, riefen die Gefesselten und klirrten mit ihren Ketten. „Ihr müsst mit nach draußen kommen“, rief Glaukon, „der Sternenhimmel und die Sonne werden euch begeistern!“ „Wir wollen aber die Sonne nicht sehen. Die gibt es doch gar nicht!“, sagte Glaukons Mutter. Ihr Sohn hatte sich irgendwie verändert. Seine Augen leuchteten, als gäbe es außerhalb der Höhle eine wunderbare Welt.

„Ihr müsst mitkommen“, Glaukon blieb unerbittlich. „Wir bleiben hier“, rief der Chor der Gefesselten. „Uns gefällt es hier unten, warum sollten wir uns die Mühe machen, hinaufzusteigen?“

Da kam Glaukon eine Idee. Er warf seine Jacke über das Feuer und nach wenigen Augenblicken herrschte in der Höhle völlige Dunkelheit. Die Gefesselten schrien vor Verzweiflung und begannen, ihre Fesseln zu lösen. Nach langem Hin und Her folgten sie Glaukon.

Der Aufstieg aus de Höhle war mühsam; sie kämpften sich durch Geröll und rutschten an der glatten Höhlenwand ab und zu aus. Klagelieder schallten durch die Dunkelheit. Als sie schließlich den Ausgang erreichten, waren sie enttäuscht: „Du hast von der Sonne gesprochen, wo ist sie?“

Glaukon legte den Arm um seine Mutter und bat alle um Geduld. „Schaut euch zuerst den Sternenhimmel an. Und seht, wie sich der Mond im Wasser spiegelt. Ihr müsst euch alle erst ans Tageslicht gewöhnen.“ Glaukons Worte verhallten in der Nacht. Die Gefesselten waren müde vom Aufstieg und legten sich sofort schlafen. Als sie am Morgen erwachten, wurden sie von der Sonne geblendet. Doch allmählich gewöhnten sich ihre Augen an die Sonne und sie bestaunten die Welt um sich herum. Die Bäume waren grün, der Duft der Bäume drang in ihr Herz und der Fluss plätscherte ruhig dorthin.

„Diese Welt hier oben ist viel schöner als die Schattenbilder in der Höhle“, sagte ein alter Mann zu Glaukon. „Ich bin froh, dass du uns aus der Höhle herausgeholt hast. Wir hätten sonst die Wirklichkeit nie kennen gelernt.“

Auch das Internet und die Medien zeigen uns Abbilder der Wirklichkeit. Eine Blume, die man im Fernsehen sieht, muss man nicht gießen, sie ist nur ein Bild. Und Bilder sind manipulierbar, gerade im Technikzeitalter. Auch Informationen, über dessen Quelle ich mir nicht sicher sein kann bzw. dessen Quelle ich nicht kenne, sind manipulierbar. Es ist wie stille Post, jeder kann Fehlinformationen einstreuen. Perfide wird es, wenn man dies absichtlich tut, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Genau das passiert gerade vom rechten Rand. Um die Ängste der sogenannten besorgten Bürger zu nutzen, werden diese nur künstlich angeheizt und für die eigenen Zwecke missbraucht, indem man absichtlich Unwahrheiten streut. D

Bitte, macht doch endlich die Augen auf, kommt heraus aus eurer Höhle und seht euch die Realität mit eigenen Augen an. Helft in Flüchtlingsunterkünften! Hinterfragt Parolen der AfNPD! Widersprecht rechten Parolen und menschenverachtenden Haltungen. Steht für eine solidarische Gesellschaft. Lasst Licht in eurer Denken! Ich möchte nicht in einigen Jahren lesen müssen, dass wir von nichts gewusst hätten, nichts geahnt hätten und das alles nicht vorhersehbar war. Die Überschriften lesen reicht manchmal nicht. Öffnet die Augen! Tut was! Gemeinsam sind wir stark! Lasst den braunen Hass nicht in eure Herzen.

plakat-heidelberg

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